71./72. AAR

GF-in-See-006_420cooltext1394206468

post-separatorAls im Dezember 1983 der Einberufungsbefehl in meinem Briefkasten landete und ich Ihn öffnete war ich zuerst doch etwas „geschockt“…. Grundausbildung in der Seemannschaftslehrgruppe auf Borkum. WFT ist das ? Was macht man da ? Gibt es dort eine Kraftfahreinheit ? Ich habe bei  meiner Musterung den „Wunsch“ angegeben zu einer Kraftfahreinheit zu kommen um dort den LKW Führerschein machen zu können. Na ja, es kam dann somit anders als gedacht. Anfang Januar 1984 saß ich dann im Zug Richtung Emden um dann von dort aus mit der Fähre nach Borkum überzusetzen. Auf Borkum angekommen wurden direkt nach dem Anlegen von aus dem Wochenend „Urlaub“ mitreisende „Uff´s“  gleich mal zusammengefaltet zu werden. In der Kaserne angekommen wurden wir dann nach Größe „Sortiert“ Als diese beendet war, wurde uns mitgeteilt auf welches Schiff oder Einheit wir nach der „Grundi“ fahren bzw. eingesetzt werden. Als der Offizier der Kaserne vor uns stand sagte er zu uns: „Sie haben das Glück auf der Gorch Fock zu fahren“. Als W15er auf die Gorch Fock ? Der Grund dafür war, dass der UA Lehrgang  nicht die Stärke aufwies um „GoFo“ „Segeltauglich“ zu machen. So wurde dieser mit 60 W15ern aufgefüllt.  Ein leichtes Raunen ging durch die Reihen. Nach der Auflösung dieser Prozedur, gab es einige Kommentare wie Gorch Fock = Gorch Fick… na das ja nichts Gutes bedeuten. Also das Beste draus machen und alles auf mich zu kommen. Die Grundausbildung auf Borkum dauerte 2 Monate, da es noch einen Monat Segelvorausbildung an Board im Hafen geben sollte. Am 1. März war es dann soweit, der erste Schritt auf Deck. Schon ein komisches Gefühl. Die Segelvorausbildung ging wie auch die Grundausbildung ohne Zwischenfälle von statten. Ich hatte meinen Platz auf der Großobermars Steuerbordseite.

Gorch Fock 1984 , noch liegen wir im Kieler Hafen

Am 10.April 1984 war es dann soweit – Auslaufen in Kiel und es ging auf See.
Was für ein Gefühl, keinen festen Boden mehr unter den Füßen zu haben. Gepennt wurde  in Hängematten, was ich persönlich angenehm fand.  haengematte
Unsere erste Station war Teneriffa und wir mussten durch die Biskaya, an Frankreichs Küste vorbei. Die Biskaya ist bekannt für seine Raue See und wir sollten auch damit Erfahrungen machen.  Es war recht stürmisch als wir dort her segelten. Teilweise bis zu 20% Schräglage hatte das Schiff und es zeigten sich  die ersten Seekranken. Ich hatte Glück und wurde nicht Seekrank…
Der Aufenthalt in Santa Cruz de Tenerife dauerte vom 26.4. bis 30.4.84 wovon wir 4 Tage Landgang und einen Tag Wache an Board hatten. Teneriffa im April war noch etwas kalt, aber trotzdem schön.

St.Cruz de Tenerife 26.04. – 30.04.1984

Am 30.4. ging dann es dann weiter über den Atlantik Richtung Karibik, ja wie Cool ist das denn ? Leider hat uns der Wind öfters einen Streich gespielt und wir mussten recht viel unter Motor fahren anstatt unter Segeln. Irgendwann haben wir dann den 36. Breitengrad (Nördlicher Wendekreis des Krebses) überquert und wir wurden dann „getauft“ (wie eine Äquatortaufe) War ganz witzig aber auch anstrengend.

Überquerung des 36. Breitengrad – Taufe

Als frisch getaufte setzen wir unsere Reise weiter fort und legten am 17.5. in St. Johns auf Antigua an. Eine Insel der Kleinen Antillen in der Karibik. Ein kleines Jamaica sozusagen. Wow, was für Strände, was für ein klares Wasser.

St.Johns – Antigua 17.05. – 21.05.1984

Die üblichen  4 Tage Landgang habe ich dann meist an einem Strand verbracht und habe mir dann direkt einen Sonnenbrand auf dem Rücken geholt, der sogar riesige Blasen geschlagen hatte. Der Sani sprach gar von Selbstverstümmelung. Ich musste mich Tagelang rechtfertigen dass es keine Absicht war. Ich wusste ja dass ich aufgrund meiner Haarfarbe und Hautbeschaffenheit recht schnell einen Sonnenbrand bekomme. Wenn man unter eine einer Palme einpennt und die Sonne wandert, sehe ich das nicht als meine Schuld an. Also Augen zu und durch. So hatte ich halt Pech, da wir nach dem Ablegen am 21.5. noch einen kurzen Zwischenstopp auf Puerto Rico zum Wasser Bunkern einlegen mussten, nicht an Deck oder Land konnte.
Nach dem Zwischenstopp auf Puerto Rico ging  es dann Richtung Norden an die Ostküste der USA, nach Boston. Am 2.7. liefen in den dortigen Hafen ein.  In der Hafenbucht etwas außerhalb lag der Flugzeugträger John F. Kennedy vor Anker.  Wahnsinn, was für ein Pott.  Als wir diesen passierten hatte ich sogar noch die Möglichkeit in einem Mast aufzuentern. Ich bin sogar über das Royal Segel hinaus. Ich war somit auf ca. 45 Meter Höhe über Wasser und konnte nicht auf das Flug Deck schauen… Schade.
Unsere Liegezeit in Boston ging vom 2.6. bis 7.6. wie üblich 4 Landgang und einen Tag Wache.
Wahnsinn, was für eine Stadt, Skyline und eine Hektik der Menschen dort. Wie würde es dann bloß in New York sein ? Hier haben wir dann auch neue Vorräte gebunkert, damit wir wieder volle Lasten hatten und die Weiterreise ohne Hunger fortsetzen konnten.

Boston – USA 02.06. – 07.06.1984

Nach dem Verlassen von Boston ging dann noch weiter nördlich Richtung Kanada, genauer Quebec Stadt, durch den St. Lorenz Strom. Am 18.6. war es dann soweit Einlaufen in den Hafen von Quebec. Hier lagen wir dann bis zum 30.6. da hier der UA Lehrgang ausgetauscht wurde und dieser eine nur 14 tägige Segelvorausbildung machen musste. Und wir hatten sozusagen 14 Tage „Urlaub“ und konnten die Stadt und Land genießen. In Kanada geht es jedenfalls alles gemächlicher ab als in den USA. Es wurde uns sogar erlaubt 2 Tage in Zivil an Land zu dürfen.  Na Klasse, man durfte ja keine Zivil Klamotten mitnehmen, weil in dem kleinen Spind den man an Bord hatte, dafür kein Platz war. Also ab in Town und Zivil Klamotten kaufen.  Ich hatte zudem die Möglichkeit für 2 Tage bei einer Gastfamilie zu leben.  Nach 3 Monate Hängematte wieder in einem richtigen Bett zu schlafen war schon etwas ungewohnt.
Bei unserer Liegezeit in Quebec war zu der Zeit auch die Sail´84 bei der auch viele andere Großsegler im Hafen lagen. Die meisten davon habe ich dann auch besucht. Da war schon ein krasser Unterschied zu erkennen zu unserem Schiff was die Ordnung und Reinheit betraf.

Quebec – Kanada 18.06. – 30.06.1984

Als wir am 30.6. dann Quebec verlassen ging es, wie kann es auch anders sein wieder in Richtung Norden – nein nicht zum Nordpol, sondern nach Sydney in Nova Scotia einer vorgelagerten Halbinsel Kanadas. Hier merkte man schon die nördliche Kälte, als wir am 7.7. im Hafen von Sydney einliefen. Hier hatten wir nur 4 Tage Liegezeit. Sydney war keine große Stadt und es gab auch nichts großartig Spannendes zu sehen.

Sydney / Nova Scotia – Kanada 07.07. – 11.07.1984

Am 11.7. liefen wir aus und nahmen dann an der Großsegel Regatta der Sail´84 teil. Unser Ziel war Liverpool in England. Dort liefen wir am 1.8. ein. Dort wurden wir von den Eingeborenen als Uniformierte Deutsche immer noch sehr Skeptisch angeschaut. Auf jedem Fall bin ich in einem typisch Englischen Taxi und einem Doppeldecker gefahren. Ein Muss, wenn man schon in England ist.

Liverpool – England 01.08. – 04.08.1984

Liverpool war unsere letzte Station der Reise und es ging am 4.8. dann wieder Richtung Heimathafen Kiel.  Diesen haben wir am 14.8.1984 erreicht. Endlich wieder zuhause….

Ich habe absichtlich keine weiteren Details aufgeführt, da es einerseits viel lang werden würde und zudem liegt das nun mittlerweile 30 Jahre zurück und die Erinnerungen verblasen da schon etwas.

Zum Abschluss noch ein paar Bilder auf See…

post-separator

Die Kommentare sind geschlossen.